Die Ratscherbuam – lautstark durch die stillen Tage

Eigentlich sollte das Ende der Karwoche die ruhigste Zeit im Kirchenjahr sein. Für gewöhnlich kehrt von Gründonnerstag bis Karsamstag in den Kirchen Ruhe ein. Die Glocken stehen still und auch die Orgeln schweigen. Auch die Kreuze auf den Altarbildern bleiben verhüllt.
Kirche St. Gertrauden in Mauterndorf –

Die stillen Glocken sind auch eine Art akustisches Fasten und Gedenken an den Tod von Jesus Christus. Darüber hinaus sind sie aber auch ein Relikt aus der Vergangenheit. Denn die Kirchenglocken seien erst relativ spät erfunden worden. „Zur Zeit Karls des Großen (743 bis 814) rund um das achte Jahrhundert gab es noch keine Glocken oder Orgeln. Sprichwörtlich heißt es, dass die Glocken für diese Zeit „nach Rom fliegen“. Wahrscheinlich hat dies regionalen Ursprung.

Die Ratscherbuam ersetzten im Salzburger Lungau von Gründonnerstag bis zur Osternacht die Glocken.

Erstmals schriftlich erwähnt wird der Brauch im Jahr 1482 im nordbayrischen Coburg. „Wie bei vielen Hochfesten im Kirchenjahr hat sich diese Tradition gehalten, bis heute werden die Glocken zu Ostern durch Ratschen ersetzt. Die Ratschen zeigen die alten Gebetszeiten an (Morgen-, Mittag- und Abendläuten). Im Mittelalter richtete sich der alltägliche Tagesablauf mangels Uhren auch nach den Gebeten der Mönchen in den Klöstern. Weil die Glocken stillstanden, mussten die Ratschen ihre Funktion übernehmen. Außerdem sollten sie – so ist es den Brauchtumskalender zu entnehmen – den Frühling aufwecken und böste Geister abwehren.

Das Ritual ist hauptsächlich im deutschsprachigen Raum verbreitet, die Bezeichnungen dafür sind vielfältig. Früher war es den Ministranten – den „Ratschnbuam“ – vorbehalten zu ratschen. Seitdem auch Mädchen ministrieren dürfen, gibt es auch Ratschenmädchen. Solche Bräuche werden in Familien und Gemeinschaften weitergegeben.

„Wir ratsch’n, wir ratsch’n die Fast’n aus,

unseren Herrn Jeso Christ sein Leid’n is aus“

Am Karsamstag wird am frühen Nachmittag an Haustüren geläutet, da steckt man den Ratschern Süßigkeiten und auch Geld zu.

Wir wünschen allein ein schönes Osterfest

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